
Nach dem Schottlandversuch war klar: Der Landy 110 taugt für mehr als robustes Fahren durch Europa. Eine Weiterentwicklung zum echten Micro Camper stand an. Das war 2020. Der Plan für diesen Sommer: Mit Hund eine mehr oder weniger minimalistische Reise durch Norditalien. Bordercollie Flo war von uns gegangen, jetzt gab es Langhaarcollie Petite. Der Name? Eine kolossale Lüge. Denn schon als Welpe war klar: Sie wird das Doppelte von Flo.
Also Pläne zeichnen (für Insider: Das beste CAD für den Heimeinsatz ist und bleibt Photoshop), Stückliste erstellen, bauen. Heraus gekommen ist etwas, was ich meinen Bootsausbau nenne. Die Grundidee mußte ich nicht neu erfinden, das Netz ist voll davon. Egal, ob VW-Bus, Landy oder sonst was: Hintersitze raus, Kisteneinbau mit Stauraum und Liegefläche rein. Und macht auch nix, wenn’s nett aussieht.
Als Material habe ich meine Lieblingszeug gewählt. Multiplex in 18 mm und in 9 mm Stärke. Birke reicht, Buche ist teurer und schwerer. Drei Querschotts und zwei mittlere Längstschotts.

Etwas frickelig war die Anpassung des 1. Schotts, das an den Fixpunkten der Rücksitzbank verschraubt werden sollte. Denn in dem Bereich geht es im Landy rauf und runter und um einige Ecken – alles soll am Ende eine ordentliche Kiste werden.

Die Schotts 2 und 3 waren eher leichte Arbeit. Wenn beim Einbau die drei Querschotts stehen, werden die beiden kurzen Längstschotts dazwischen gesteckt. So entsteht eine stabile und selbsttragende Konstruktion. Alle Schotts haben Verstärkungen und horizontale Leisten als Auflage für die Stauraumdeckel, die nur eingelegt sind. Die beiden hinteren Schotts sind mit kurzen Zurrgurten an den im Landy vorhandenen Befestigungsschlaufen auf dem Boden fixiert.

Während die stehenden Quer- und Längstschotts aus 18 mm Multiplex gearbeitet sind (die Auflagenleisten für die Deckel übrigens sind schlicht gehobelte Dachlatten, aufgeleimt und geschraubt), sind die Deckel aus 9 mm Multiplex (Gewicht!). Um später die Teile schnell montieren zu können, habe ich alle Schotts und die vier Deckel mit Schlagbuchstaben beschriftet.

Damit die Liegefläche mindestens 2 m lang wird, habe ich noch ein klappbares Fußteil konstruiert. Für die Übernachtung wird der Vordersitz nach vorne geschoben und das Fußteil hochgestellt. Für die Fahrt wieder runter mit dem Fußteil, damit der Sitz wieder weit nach hinten kann. Als Scharniere habe ich Kulissenscharniere mit rausziehbaren Achsen verwendet; so ist das Fußteil schnell montiert und demontiert.

Insgesamt komme ich auf eine Bettlänge von 2,10 m. Die Breite ist 1,40 m, weil ich seitlich von den Matratzen Ablagefläche haben wollte. Man könnte auch die volle Breite im Landy ausnutzen und käme so auf ca. 1,60 m Liegefläche. Uns reichen die 1,40 .
Die Deckel werden mit Drehknebeln gegen Klappern gesichert. Zusammen mit den Matratzen wackelt während der Fahrt somit nichts.
Die Matratzen haben wir bei einem Spezialisten für Maßanfertigungen auf den Zentimeter genau fertigen lassen. Kostet echt nicht die Welt. Ein etwas dickerer und festerer Schaumstoff von 10 cm reicht für uns eher leichten Leute (12 cm wären aber auch kein Problem gewesen). Zwei große Längstmatratzen und eine kleine für den Fußteil. So liegen alle – auch der Hund – bequem. Mittlerweile hat Petite aber eine eigene Ecke, siehe unten.

An den Stauraum unter den Matratzen und Deckeln kommt man leicht ran: Wird vorne oder hinten einfach hochgeklappt und mit einem Holzstab gesichert. An die hinteren Boxen kommt man über die Hecktür sogar direkt dran.
Wichtig: Wie man auf den Bildern sieht, gibt es auf der linken Seite einen kleinen Einstieg zur Matratzenlandschaft. Das ist beim recht hohen Land Rover sinnvoll – ohne diesen Einstieg (und einen kleinen, klappbaren Kunststofftritt vor dem Wagen) käme man nicht würdevoll genug ins Tin Tent. Außerdem finden die Schuhe ein zugängliches Plätzchen. Praktisch, wenn man nachts mal raus muß.
Premiere hatte dieser „Bootseinbau“ dann am Gardasee und an der Adria. War prima. Mit einem Vordach und unseren Mini-Stühlchen war das Stilleben perfekt. Um es gleich an dieser Stelle zu sagen: Mit Kochen ist nicht viel drin. Morgens Kaffee oder Tee auf dem kleinen Gaskocher geht – kalte Platte fürs Frühstück oder auch mal abends inklusive. Ansonsten gibt es ja überall Restaurants oder Imbissbuden.

Ach ja: 2020 in Italien war Petite noch petite. Das änderte sich schnell. Darum habe ich jetzt – 2025 – für die Norwegenexpedition einen extra Hundeplatz für den Vordersitz gebaut. Denn Petite kann und mag nicht immer weich zu unseren Füßen liegen. Die teppichgarnierte, aber harte Platte (9 mm Multiplex) in Hundekörbchengröße ist da besser. Die Liegeplatte und die Sicherungskiste für den Schalthebel sind klappbar und schnell verstaut.

Hier noch der Konstruktionsplan. Alle Maße im Wagen sind eigenhändig ermittelt und können von anderen Defendern abweichen, z.B. wenn keine Auslegeware vorhanden ist. Also keine Gewähr, nachmachen auf eigenes Risiko.

